Montag, 22. August 2011

11 Tag - Ukraine (G)

Heute war der letzte Tag in Russland und die Fahrt war sehr entspannend. Kaum Verkehr und die russische Radarvorwarnung durch heftiges Aufblenden des Gegenverkehrs funktionierte auch ganz ausgezeichnet.

Die Strassen waren sehr oft regennass, inklusive riesiger Pfützen, aber kein einziger Regentropfen hat mich von oben erwischt.

Und immer wieder, diese bezaubernden russischen Ortsschilder :)

Der russische Zoll war dann auch ganz easy. In 40 Minuten war alles erledigt. Ein junger Zöllner hat schnell gemerkt das mein Russisch nicht so pralle ist und hat das Formular für mein Motorrad schnell selber ausgefüllt (Das selbe, für das ich bei der Einreise eine Stunde gebraucht habe).

Zwischen dem russischem und ukrainischem Zoll

Die Ukrainer liessen es dann doch wesentlich gemütlicher angehen. Einige duzend Autos warteten schon vor mir. Hier gab es aber ein ganz speziellen Service. Zwei Grenzer liefen immer ein Stück der Autoschlange ab und sammelten alle Pässe ein. Ganz anders als bei der Einreise, als immer ein Menschenpulk wild von einer Station zur nächsten lief (und ich auch mal wieder zurück). Ich habe natürlich sofort Aufmerksamkeit erregt und während mein Pass im ersten Grenzhäuschen bei der Passkontrolle lag, wollte nacheinander ein Polizist, ein Militär und ein Grenzer ebenfalls mein Pass sehen. Oh man ;) Aber gute zwei Stunden war dann alles vorüber. Ukraine ich kommen.

Die Strasse nach der Grenze war einwandfrei, ganz anders als ich vermutet habe. Die Landschaft wurde auch schlagartig viel freundlicher.

Das kleine Hotel, direkt an der ukrainischen Magistrale M3 bei Hlukhív, 30km nach der Grenze hat mich wirklich begeistert. Irgendwie sind die Menschen hier viel freundlicher und zugänglicher. Es gibt auch ein Restaurant bei dem das Essen 100 Punkte bekommt und unfassbar günstig ist. Ich habe gesehen das es bei OSM auch eingetragen ist, also, absolute Empfehlung! :)

Morgen Kiew, ich freue mich.

10. Tag - Kreml und Fahrt nach Suchinitschi (F)

Heute stand wieder ein kleines Highlight auf meiner Reiseroute. Ich wollte ins Herz von Russland, ins Herz von Moskau, zum Kreml, Roter Platz (der übersetzt eigentlich schöner Platz heißt) und zur Basilikuskathedrale, die liegen alle zusammen in Steinwurfweite. Leider hat am Morgen stark geregnet und so ist die Fotosession am Kreml doch recht kurz ausgefallen. Da sich Medwedew oder Putin sich nicht gezeigt haben, musste meine kleine Matroschka aus St. Peterburg als Fotomodell herhalten.

Basilikuskatherale links, Kreml ist rechts (hinterm Busch)
Kreml links, Basilikuskathedrale rechts.

Die Fahrt durch die Stadt ging wesentlich angenehmer als ich befürchtet habe, eventuell habe ich einfach Glück gehabt. Deshalb kleiner Tipp für Moskaufahrer, sehr easy ist es Samstag vormittags um 10 Uhr in Moskau ;)

Die Fahrt war dann weniger interessant und die Kilometer flogen dahin, so habe ich mir unterwegs überlegt meine Etappe heute eventuell etwas zu verlängern. Aber habe mich aber dann doch dagegen entschieden. Und kaum bin ich in mein Ziel-Motel eingeboten (Mitten im Nirgendwo von Russland)  da hat es wieder angefangen zu schütten. Beim Abrödeln meines Gepäcks stand plötzlich ein Trucker an meinem Motorrad,
krempelte sein Hemd hoch und zeigte er mir stolz sein Schultertatoo mit einem rotem Suzuki Motorrad. Bei unserem  kurzem Gespräch erzählte er mir stolz und mit einem bisschen Wehmut von seinen früheren Touren nach Serbien, Rumänien und Jugoslawien.

Morgen leider schon mein letzter Tag in Russland und der Grenzübertritt nach Ukraine muss bezwungen werden. Ich hoffe die Jungs am Zoll sind Sonntags entspannter drauf als sonst.

9. Tag - immernoch Moskau

Meinen ersten Plan, mit dem Motorrad ein paar interessante Moskauer Punkte abzuklappern habe ich jetzt doch aufgegeben, das wäre doch zu heftig geworden. Also habe ich dafür auf die berühmte Moskauer Metro gesetzt.
Hier in Moskau gibt es keine so schönen Metromünzen wie in St. Petersburg, sondern RFID Chipkarten, die man in verschiedenen Aufladungen kaufen kann. Ich habe mir eine 10er Karte gegönnt. Die 'Drehkreuze' sind auch anders. Sie sind ständig geöffnet, nur wenn man versucht durchzulaufen, ohne vorher die Chipkarte  an die entsprechende Stelle des Drehkreuzes zu halten, dann ballern zwei Metallschranken vor einem hoch.

Ich also in die Metrostation Vladikino an der Linie 9 (Vladikino, hört sich an wie das Kino von Vlad Tepesch), dort 5 Stationen zur  Mendeleevskaja hier Übergang zu Novoslobodskaja an der Linie 5.


Schon wieder Lenin und ich, dieses Mal in der Metrostation Novoslobodskaja
(wer macht das dümmere Gesicht?)

3 Stationen weiter auf  Kiewskaja

Kiewskaja

hier Übergang auf Linie 3. Eine 1 Station fahren zum Park Pobedy ,

Park Pobedy
meine erstes richtiges Ziel, diese Metrostation hat die längste, durchgehende  Rolltreppe der Welt,  so etwa 120m lang und geht auf 85m Tiefe.

Park Pobedy ,  die längste, durchgehende  Rolltreppe der Welt

Oben an der Oberfläche habe ich mir ein kleines Frühstückchen in einem Park gegönnt.

im Hintergrund ist eine der 5 Schwestern zu sehen, das sind Prachtbauten aus der Stalinzeit

Dann die Rolltreppe (fährt 2:40 Minuten) wieder runter, 3 Stationen zurück mit der Linie 3 ein Station weiter zum Ploschtschad Rewoljuzii. Dieser Teil der Metro ist der älteste und wurde 1938 erbaut. Das hatte damals noch richtig Zukunftsdrive. Eine Station weiter und dort Übergang auf Station Ckalovskaja an der Linie 5, dann eine Station zur Komsomolskaja, und diese Station ist wirklich superschön! Doch exakt hier hat mein Akku des Fotoapparats seine Hufe gestreckt, ach ärgerlich. Aber was soll's, denke ich dann fahre ich kurz in mein Hotel und mach auch gleich ein kleines Päuschen. Und so wurde es auch gemacht.

Ich also wieder hin, zur Metrostation Komsomolskaja,

Komsomolskaja


eine Station weiter zum  Prospekt Mira, dort Wechsel auf die Linie 6. 3 Stationen gefahren zur VDNch, das ist irgendeine Abkürzung für 'ganz super spezielles Kosmonautenmuseum. Das ist nämlich mein zweiter Anlaufpunkt heute (abgesehen von den Metrostationen).

Dieses coole Denkmal steht auf dem Dach des Kosmonautenmuseums.
Das Ding ist über 100m hoch und mit Titan beschichtet

Das ist wirklich ein sehr schönes und sehr modern eingerichtetes Museum mit viel Krimskrams, Hauptsache es hat irgendetwas mit Kosmonauten oder russischer Raumfahrt zu tun. Uniformen, Raumanzüge, Fotos aller sowjetischer Raumfahrtshelden, ein 1:1 Modell der Mir, etliche original Triebwerke oder z.B eine original Raumkapsel, die außen vom Wiedereintritt in die Atmosphäre ganz schwarz und verkokelt wurde.

Leckere, russische Kosmonautennahrung
Raumanzug von Mark Shuttleworth, dem Gründer von Ubuntu
Ich treibe an der Mir vorbei
darunter die stark angekohlte Raumkapsel
Raktentriebwerk, made in SSSR

Alle 20 Meter saßen ältere Damen die jeden (und besonders mich) anblökten, dass man hier nicht fotografieren darf...

Bei der Heimfahrt kam ich dann in den Berufsverkehr und es ist wirklich unfassbar was da an Menschenmassen herumgekarrt wird. Eine Zug zu verpassen ist quasi unmöglich, weil alle 90 Sekunden einer fährt. Und wenn die Züge ein bisschen in die Außenbezirke kommen, dann geben die nochmals richtig(!) Gas und heizen dann mit geschätzten 100km/h durch die Tunnels, dann scheppert und rattert aber der Metallkarton (auch Metrowagen genannt).

Morgen kommt der große Selbstversuch, ich fahre zum Roten Platz, dem Herz der Finsternis.

8. Tag - Moskau (E)

Ok, war doch keine so gute Idee, mein letzes Post so zu beenden (Ich alte Drama Queen). Mein Problem war schlicht und einfach das ich kein Internetzugang bekommen habe. Nach einigen hin und hier habe ich herausgefunden das es ein Businesscenter geben soll, der Internet anbieten soll,  aber an  deren PCs kam ich  aber nicht mit dem kyrillischen Zeichensatz nicht zurecht und ich konnte mich nicht einloggen. Das Mädel gestern im Restaurant meinte, sie könne WiFi anbieten, ich bin gespannt.
Ok, ich bin nicht mehr gespannt, für die WiFi Karte die mir Olja, die Bedienung, (teuer!) verkauft hat, existiert schlicht und einfach kein Hotspot ;)
Die beiden Motels in der Pampa links und rechts der russisch/ukrainischen Grenze hatten (wie schon vermutet) auch kein Internet (jedenfalls nicht für mich ;) )

Ich habe dann eben offline ein paar Tage geschrieben. Die Fotos füge ich dann die nächsten Tage nach.

Also, weiter mit der Gesichte
-------------------------------------------------------------------------


Die Fahrt nach Moskau war heute eher unspektakulär, ich habe extra für die Einfahrt nach Moskau eine kurze Etappe geplant, da die Staus in Moskau legendär sein sollen. Und genau so war es auch. Typisch Magistrale hat sich vor der Stadt ein kollosaler Rückstau gebildet und so zuckelte ich kilometerlang Richtung russische Hauptstadt.

Anfahrt auf Moskau, nachdem alle Anderen auf den Ring wollten
(witzig wie das GoPro Objektiv alles verzerrt)


Irgendwie wollten aber alle dann auf den Moskau-Ring fahren, ich aber nicht. Deshalb ging es dann zügig weiter Richtung Stadtmitte. Dort kommt *richtiges* Großstadtfeeling auf. 6 spurige Schnellstrassen, in deren Mitte nochmal eine 6spurige Schnellstrasse ist. Sogar mein Navi war eingeschüchtert und hat keinerlei Meldungen mehr gebracht;)  Als ich dann an der Stelle ankam, an dem eigentich mein Hotel sein sollte, war da aber nichts dergleichen zu sehen. Nur unüberschaubare, wild gewucherte Großstadtarchitektur. Ich also angehalten, das Motorrad irgendwo zwischendrin am Busbahnhof für Kleinbusse abgestellt und mal rumgelaufen um die Lage zu checken. Nix. Ein Polizist zeigte auf irgendwelche Hotels auf der anderen Strassenseite, aber dort hinzukommen würde etwa eine Stunde dauern.

Anfahrt auf Moskau
Könnte aber auch die Ausfahrt nach Uelzen an der A7 sein, man weiss es nicht...
 
Zum Glück war es noch heiß wie Hölle, ich erstmal aus den Motorradklamotten raus und mein Navi gecheckt, nein es müsste hier sein. Egal, erstmal weg von der elendigen Haupstrasse. So bin ich in ein kleinen Park gefahren und hab meine Buchungsbestätigung rausgekramt.  Die Adresse nochmals in Navi eingetippt und jetzt sollte das Hotel plötzlich nochmal  11km weit weg sein. Kurz überlegt, was sind die Alternativen. Eigentlich wäre das doof, weil ich meine Moskau-Metro-Tour ja von dieser Stelle aus geplant habe. Oder habe ich die Hotels verwechselt, weil ich einige Hotels storniert habe und andere dafür gebucht? Ich weiß es nicht. Langsam kommt der Frust hoch und ich fahre jetzt einfach die 11km durch die Moskauer Rushour. Dazu kommt noch das meine Navihalterung spinnt, und ständig das Navi rauspurzeln will. Erschwernd kommen noch die vielen, sehr adrett angezogenen Moskauerinnen dazu! Und die Autofahrer sind wirklich noch ruppiger als bisher, aber eigentlich geht es alles in allem noch ganz gut mitzuhalten.

Beim Hotel angekommen stelle ich mein Motorrad an einem bewachten Parkplatz ab und laufe dorthin wohin der Wachmeister mich geschickt hat. Das Hotel ist in der dichbebauten Gegend nicht zu sehen. Ok, da ist es, also rein. Ich frage einen Typen der ausschaut wie ein ziviler Wachposten vom Hotel, der versteht aber gar kein Englisch und schickt mich in ein Zimmer. Dort sitzt eine Frau die auch kein Englisch versteht und irgendwann klappt es doch und sie schickt mich zur richtigen Rezeption. Inzwischen bin ich um den halben Block gelaufen. Dort angekommen sass eine junge Russin die nach einer Weile mir zu verstehen gab, das es ein Problem gibt, weil ich noch gar nicht in Russland registriert wäre. Jetzt wäre auch schon der 4. Tag und der man müsste sich innerhalb 3 Werktage registriert haben. Ich also wieder zurück zum Motorrad (habe ich schon gesagt das es tierisch heiß war?). Dort die restlichen Taschen aus den Motorradkoffern geholt und zurückgelatscht. Alle Taschen auf dem Rezeptionsboden ausgebreitet und da sind sie, die gesuchten Rechungen der anderen Hotels. Schwein gehabt. Jetzt schickt mich die Dame von der Rezeption zu Kasse, die kenne ich ja schon, da war ich ja als erstes. Die Kassierin tippelt also die Daten in ihre Kiste und als es zum Bezahlen kommt schiebe ich ihr mein Visa rüber. Sie zieht das Ding durch und guckt, zieht nochmals durch, guckt. Ziehen, gucken, ziehen, gucken, ziehen, gucken. Dann steckt sie das Ding in anderes Lesegerät, nix. Tja. Dann schiebt sie mir den Zettel rüber auf dem der Preis steht. Ok, ein Trupf habe ich noch, Maestro Karte. Ich frage nach Bankomat. Und der steht tatsächlich direkt vor der Türe. Ich schiebe das Ding in den Schlitz, tippe meine Daten ein, und zack. Antrag abgelehnt! Ich denke mir noch, hey Superwitz! und mache die gleiche Prozedur nochmal, abgeleht!. Hm, langsam werde ich jetzt doch nervös. Ok Werner, ganz cool bleiben, versuchen wir es mal mit einer kleinern Summe. Und yes, er macht es! Ich freue mich wie Bolle aber die Kassenfrau verzieht keine Miene und schiebt mir die Keycard für mein Zimmer und zwei Bons für das Frühstück rüber. Also nix wie raus Richtung Zimmer, der Wachmann (den, den ich als aller erstes gefragt habe) will noch unbedingt meine frisch erworbene Keycard sehen die ich ihm dann freudig vor seinem Gesicht rumwedle.
Sehr seltsam fand' ich dann wieder das man durch ein Metalldetektor muss, wenn man zum Aufzug will. Auch die Türe nach dem Aufzug zum Etagenflur musste man mit der Keycard öffnen. Voll Knastmässig hier. Dann mein Zimmer, 10. Stock Raum 17. An der Türe steht 1017-1018, seltsam. Ok aufgeschlossen und dahinter war ein kleiner Miniflur, Türe zum Bad und Türe zur Dusche fielen mir sofort ins Auge, dann ein Zimmer 1017, also meins. Daneben stand eine Türe auf, daruf stand 1018. Im Vorbeilaufen sah ich ein nackter Kugelbauch im Bett liegen der leise etwas rüberrief, klar russisch, da kann ich leider nicht mithalten. Also rein ins Zimmer, aus den verschwitzten Klamotten und eine runde Duschen.

Als ich wieder aus der Dusche kam bemerkte ich, das ich die Türe zu meinem Zimmer wieder verschlossen habe und die Keycard liegt noch in meinem Zimmer drin. Hm, sehr unclever Werner. Ok, also Kopf rein zum Kugelbauch und pantomimisch erklärt was ich für ein Problem habe. Ich schnappe mir sein Haustelefon und wähle die 0. Es meldet sich eine junge Dame die sehr, sehr schlechtes Englisch kann und mich irgendwie nicht versteht und ständig will, das ich zur Rezeption gehe und mein Anliegen dort vortrage. Das ich außer einem kleinen Handtuch um die Hüften nichts anhabe und auch auf keinem Fall, komplett die Zimmeranlage verlassen werde hat oder wollte sie nicht verstehen. Dazu muss man vielleicht noch anmerken das das Telefon zwischen dem (sehr laut) laufenden Fernseher und dem 1m entfernten Bett steht, in dem der Kugelbauch (ebenfalls sehr laut) mit seinem Händy irgendwelche Dinge besprach.

Kugelbauch war jedenfalls äußerst hilfsbereit, hat mir den einen Stuhl angeboten und etwas von seinem gekühlten Johannisbeersaft. Die Frau von der Nummer-O wollte die Sache abschließen und sagte sie ruft mich wieder zurück, ja ja ;)  Ich warte als eine ganze Weile uns sehe mir im Fernsehen eine russische Soap an, da deutet mir Kugelbauch an, das er die Sache selbst in die Hand nehmen will. Zieht sich Hemd und Hose an und geht raus. Nach einer Weile kommt der mit einem Zimmermädchen, die dann mein Zimmer aufschließt. Man, was war ich froh.

Mein Dankeschön in Form einer Tafel mitgebrachter Schweizer Schokolade hat er abgeleht, dafür sind wir dann zusammen runter ins Restaurant gegangen.  Ich habe mir ein Bier ausgwählt (Das sich dann als tschechisches Kustivice herausgestellt hat, das ich in Konstanz immer, in einem serbischen Lokal, mit einem lieben Freund aus der Ukraine zusammen getrunken habe) so klein ist die Welt. Zum Essen deutete ich an ich möchte nur eine Kleinigkeit, da kam dann 'Kalmar'. Hm, sieht aus wie ein Untertellerchen mit halben Kaugummis die nach geräuchertem Speck riechen (ich vermutete geräucheter, weißer Speck) es war aber tatsächlich Kalmar, wie Alligator.  Kugelbauch hat sich inzwischen als Wolja vorgestellt der aus Tartastan kommt. Im Zimmer oben hat er mir wegen mangelnder Sprachkompatibiltät seinen Ausweis gezeigt und ich habe es erst gar nicht geschnallt, Wolja hat heute Geburtstag! 58 Jahre ist er geworden, der alte Knabe. Wolja hat sich 100 Gramm guten Vodka gegönnt und ist dann irgendwie traurig geworden. Ja, Geburtstage alleine feiern als Russe ist verdammt kacke, aber zum Glück bin ja ich gekommen :) Und weil Wolja eine Großtat nach der Anderen für mich getan hatte, wollte ich die Rechnung begleichen, doch als die ankam (wie üblich in einem kleinen Rechnungsmäppchen)  ist Volja wie ein junger Hecht hochgepeitscht und hat die Rechnung an sich gerissen. Ich habe ihn natürlich tüchtig ausgeschimpft, da ER ja immerhin Geburtstag hat und ER mich halbnackt in sein Zimmer aufgenommen hat und ER mein Problem mit der Keycard geregelt hat. War ihm aber alles egal und hat trotzdem bezahlt.
Als wir uns dann in unserem kleinen Gemeinschaftsflur verabschiedet haben und uns gegenseitig die Hände fest gedrückt haben, ich glaube, da habe ich ein bisschen in die russische Seele geblickt.  

Mittwoch, 17. August 2011

7. Tag - Twer (D)

Heute habe ich relativ wenig Fotos gemacht, da es am Morgen geregnet hat und es auch sonst komplett bedekter Himmel gab, erst hier in Twer kam endlich die Sonne raus, ich hoffe das wars dann mal mit den Wolken für eine Weile.
Twer selbst ist für mich eigentlich nur eine Durchgangsstation und die Fahrt hierhin eine reine Fleissarbeit. Damit es einigermaßen zügig ging bin ich die Magistrale M10 gefahren. Magistralen ist ein Art Autobahn, Autobahn ist vielleicht nicht das richtige Wort, es ist eher eine Hauptverkehrsstrasse deren Ausbaustufen sich dauernd ändert. Manchmal ist sie wie eine deutsche Autobahn, 4 spurig, funkelnagelneu und glatt befahrbar. Darauf kann dann  schlagartig eine kilometerlange Asphaltbuckelpiste mit Offroadqualität kommen. Die meiste Zeit ist aber 3 spurig, die ganz ok zu befahren ist. Die mittlere Spur ist abwechselnd für die eigene und dann wieder für die Gegenfahrbahn als Überholungsspur ausgezeichnet, hier kann man dann die vielen Trucks überholen die ebenfalls die Magistralen bevölkern.
Sehr oft geht die Magistrale auch direkt durch Ortschaften aller Größen. Viele kleine Dörfer sind zwar noch als Ortschaft (mit Geschwindigkeitsbergrenzung Ortschaft!) ausgezeichnet, aber sehen schon sehr verlassen aus (es ist unglaublich, mit welchem Lärm die Lastwagen, ohne Ende, die Magistralen befahen, besondes merkt man das wenn man eine Pause macht), manche Dörfer bestehen nur noch aus ein paar sehr windschiefen, halb eingefallenen Holzhäuschen, hier geht der geneigte Automobilist etwas vom Gas und reduziert die Geschwindigkeit auf etwa 80km/h. Dort wo wirklich Menschen zu sehen sind, fahren wirklich die allermeisten die erlaubte Geschwindigkeit vom 60km/h. (Außer natürlich die SUV-Fahrer).



Typisches Holzhaus, direkt an der Magistgrale

Motorradfaher sieht man Überland sehr selten und ich habe mich gewundert als mich eine BMW 1200GS Adventure heute überholt hat, es war ein Italiener. Scheinbar trauen sich Italiener aber nur in großen Rudeln nach Russland, denn es dauerte etwa 20min bis mich auch noch die restlichen (gefühlten) 99 Italiener auf ihren riesen Motorrädern überholt haben. Die Führen als säße ihnen der Teufel im Nacken.


In den Städten gibt es dagegen immer wieder junge Russen die eine zackige Sportmaschine befeuern. Einer davon hielt im St. Petersburg direkt neben mir und nach kurzem Winken ist er ab wie eine Rakete, der hatte locker 120km/h und ist den Newski Prospekt runtergefahren die die Italiener auf der Magistrale. Der Newski Prospekt hat wirlich viele Kreuzungen für jede eine Ampel. Ich konnte sehen wie er sie nahm, die ersten waren grün, die nächste dunkelgrün, dann eine blinkendes dunkelgrün, dann gelb, dann dunkelgelb, und die letzten dann hellrot. Als ich an den letzt genannten Ampeln vorbeifuhr, sah ich dort ein Polzeiauto und davor die Herren Polizisten stehen die interssiert der Showeinlage des jungen Russen folgten.

In den Dorfern fahren die jungen Burschen gerne Moppeds(?). Und die fahren wie 99% der Russen eben so fahren. Als gäbe es kein Morgen mehr. Und für einige gibte es dann eben kein Morgen mehr. Heute habe ich zwei Unfälle mit diesen Moppeds gesehen, einer hat sich auf die Seite gelegt und ist in einen Graben gerutsch (so wie gestern der Lieferwagen) an einer anderen Stelle lag nur noch das verbeulte Mopped rum, etwa 30m hinter einem total demolierten Uralthelm. Und zur heutigen Unfallstatistik kommt noch zwei Unfälle mit Lastwagenbeteiligung, einer ist einem anderen Lastwagen hinten drauf gefahren und zwar volle Kante, die Reifen standen vorne beide um 90% verzogen und das Fahrerhäuschen war halb weggerissen, man hatte freie Sicht auf die Lenkstange und Fahrersitz. Bei einem anderen Unfall ist ein riesiger SUV mit einem Truck kollidiert (eventuell waren noch andere Autos beteiligt), Rettungswagen und Feuerwehr(?) haben sich durch den riesen Rückstau gequält.

Unfallstelle mit SUV-Beteiligung

Rückstau gibt ist auch so ein Phänomen, er entseht z.B. auch wenn die Magistrale durch eine kleiner Stadt geht. Die Leute kommen mit Karacho (locker dreistellige Geschwidigkeit) angefahren und müssen dann abbremsen auf die erlaubten 60, wenn dann noch der Stadtverkehr, Ampeln und Abbieger dazukommen, dann bildet sich ein endloser Lindwurm an Trucks, SUVs und alten russischen Autos, der ohne unterlass sich durchs Städtchen zieht. Wenn ich mir vorstelle, sowas wäre in Deutschland :)

Morgen gehts rein nach Moskau, einem der letzten wirklichen Abenteuern die ein Motorradfahrer auf dieser Erde noch erleben kann. Ich habe gehört das die Moskowieter die krassesten, rücksichtslosesten und wahnsinnigsten Autofahrer in Russland sein sollen. Aber ich muss hin, ich muss zum Roten Platz, mitten in Moskau. Na, wenn an dieser Stelle der Blog endet, dann wisst ihr Bescheid ;)
*schluck*

Dienstag, 16. August 2011

6. Tag - Novgorod (C)

Ich habe selten ein schweres Herz wenn ich auf meinen Touren die nächste Etappe in Angriff nehme, aber bei St.Petersburg fiel es mir wirklich schwer loszulassen. So eine klasse Stadt. Breit angelegt, breite Strassen, große Häuser (und das ohne hässliche Hochhäuser). Entspannte Menschen, inclusive der Polizisten. Der Verkehr ist, wie soll ich sagen, er ist flüssig. Ein richtiger Flow, überall wird gefahren und reingefahren, alles ganz cool und ohne unsinnige Aggression, wenn ich da an Deutschland denke...

Auf der Fahrt, noch in St.Petersburg, bin ich an einem riesigen (und ich meine riesig!) Kreisverkehr auf die Magistrale nach Kiev, anstelle der nach Moskau gekommen. Egal, dachte ich, dann fahre ich einfach noch zum Puschkin und schaue beim Katharinenpalast vorbei.
Böser Feher! Die Abzweigung nach Puschkin gab es schlicht nicht mehr, da die Strasse neu gebaut wurde, und ein Abzweigen nach links war dort genauso lustig wie an einer deutschen Autobahn. Nach rechts ging natürlich auch nichts mehr. Also weitergefahren und *zack* in einen Mörderstau, mitten im Outer-Rim standen wir dann da und guckten dumm aus der Wäsche. Verschärft wurde das Ganze das etliche russische Kleinwägen den Hitzetot starben und Mitten auf der Strasse liegen blieben und so zusätzlich den Verkehr blockierten.
Für 1,5 km benötigte ich fast zwei Stunden, und dabei blieb ich keine 5 Sekunden am Stück stehen.
Sei wie es sei, nach 1,5km  kam dann meine Abfahrt, ausgeschildert war: Rechts abbiegen und dann über die Brücke nach links übersetzten. Die Brücke könnte ich schon sehen, aber darauf fuhren nur Baustellenfahrzeuge, *gulp* Erst im letzen Augenblick sah ich das eine kleine Notstrasse geschaffen wurde, so dass ich mit Hängen und Würgen direkt nach links durchziehen konnte und Richtung Puschkin konnte.

Katharinenpalast, hier soll, der Sage nach, das Bernsteinzimmer versteckt sein.
Das Foto ist doch die 2 Stunden Magistralenstau wert, oder? ;)
Nach dem Blitzbesuch beim Katharinenpalast ging es dann weiter zur Magistrale Richtung Moskau. Bei der Einfahrt zur Magistrale sah ich den Grund für den nochmaligen schleppenden Verkehr. Die Ampelanlage ist total ausgefallen und es herrschte pures Chaos. Auf dem kleinen Strässchen, auf dem ich fuhr, bildetet sich natürlich ein riesen Stau, und wie die Russen so drauf sind, haben etliche den Fussweg/Trampelpfad/whatever genutzt und sind mit Karacho rechts am Stau vorbeigebrettert.
Dieser Trampelpfad war aber nicht durchgehend, so wie ich und dieser Fahrer erkennen musste.

Aus dem Trampelpfad wurde ein Graben...

Dann aber auf die Strasse Richtung Moskau. Durch den Ampelausfall entstand auf der Gegenfahrbahn ein unfassbarer Rückstau. Ich würde schätzen, 5km ein Lastwagen hinter dem Anderen standen da und warteten das es weiter geht. (und klar, an der Ampelanlage standen russische Polizisten, doch die konnten und/oder wollten nichts regeln)

Die Strasse war stellenweise in einem wirklich furchtbarem Zustand, viele Dellen und Wellen. Schlaglöcher sind oft gar nicht so schlimm, weil man quasi darüber fliegt. Wirklich, wirklich übel sind die Brücken. Irgendwie schaffen es die Russen nicht, die Brücke in die gleich Höhe zu bekommen wie die Strasse.  Ich war einmal unachtsam und bretterte auf die Brücke, deren Absatz sicher schlagartig 30cm gemacht hat. Es hat nur so gescheppert und mir ist mein Navi aus der Halterung geflogen, so dass es nur noch am Stromkabel am Tank runter baumelete. Meine Herren, pjuuh...

Dann Ankunft in Novgorod. Das Wetter war leider nicht optimal, total bedeckt und ab und an Regen. Eigentlich hätte ich gerne das Museum für alte russische Holzhäuser angeschaut, aber ich wollte lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach und bin rüber zum Kremel von Novgorod gelatscht. Der ist geschichtlich äußerst interssant. Denn hier liegt soetwas wie der Urkeim von Russland. Stichwort Kiever-Rus.


Kremelmauer nach Rechts

Kremelmauer nach Links



Irgendwie hat mich die kleine Prozession von drei alten Frauen und einem Mönch berührt, die um die Sophienkathedrale gepilgert sind und vor jedem Tor (oder Bild?) mit dem Oberkörper gewippt haben und eine Bibel(?) hochgehalten haben. Das wollte ich nicht fotografieren, das fand ich zu indiskret.

Das riesige Monument 'Russlands Jahrtausend' und die Sophienkathedrale
Das Monument 'Russlands Jahrtausend' ist das russische Äquvalent zu den Wimmelbüchern ;) Alle wichtigen Nasen zu der Zeit, abgenickt vom Zar Alexander I persönlich.

Im Novgorder Kreml gibts noch eine Glockenwand, einige abgehängte Glocken stehen am Boden

Und zum Abschluss: Lenin und ich

Montag, 15. August 2011

5. Tag - immer noch St. Petersburg, Abend

Da es, wieder allen Vorraussagen, doch noch die Sonne schien, habe ich mich kurzerhand nochmals auf die Kiste geschwungen und bin nochmal eine Runde durchs Dorf gefahren.

Mein Hauptziel war der Donnerstein. Das ist ein riesiger Monolith, den die Russen als Podest für ein Denkmal für Alexander I benutzt haben. Das Reiterdenkmal hat mich nicht interssiert, super interessant finde ich aber eben diesen Monolithen. Es ist der größte Monolith, der jemals transportiert wurde. Er wiegt schlappe 1250 Tonnen. Auf den Bilder ist leider eine Größe nicht richtig zu erkennen. Er wurde 6km über Land geschleppt und anschließend noch 16km übers Wasser geschippert. Für mich einfach unfassbar wie so etwas vor 230 Jahren machbar war. Rekord ist es bis heute.

Meine Nase ist fast so groß wie der Stein. Im Hintergrund, die goldene Spitze der Isaakkathedrale

Ähnlich krass finde ich, keine 750m davon entfernt, beim Palastplatz an der Eremitage, die Alexandersäule. Die wiegt lockere 600 Tonnen und wurde ohne Mechanik, nur mit reiner Menschenkraft aufgestellt. Sie steht so sauber, das sie nichteinmal verankert wurde.

Das Foto habe ich gestern Nacht gemacht, und nein die Säule ist eigentlich nicht schräg.

Die Säule ist natürlich auch ein Monolith. Oh man, ich fahre voll auf Monolithen ab :)


5. Tag - immer noch St. Petersburg

Juhu Metrotag!

Ich habe gerde gesehen, dass ich einige Rechtschreibfehler in meinen Texten habe. Nicht meckern, ich sehe sie selber ;)

Heute war eine Aktion auf die ich mich sehr gefreut habe, die Metro von St. Petersburg. Die älteste Linie, Linie 1, stammt wie die berühmtere Moskauer Metro,  auch aus der Stalinzeit. Deshalb gibt es hier sehr schönen Kommunismuskitsch zu bewundern.

Ich also zur Metrostation 'Nevsky Prospekt' gelatscht (nein, das Motorad blieb wirklich stehen). Habe mir an der Kassa 4 Jetons für 100 Rubel gekauft und bin die ellenlange, wieselflinke Rolltreppe zum Bahnsteig gefahren.

Der vierte Jeton steckt im Drehkreuz, zu Beginn der Rolltreppe


Zur roten Linie 1 muss ich noch zwei Mal umsteigen, ist aber kein Problem, da alles prima ausgeschildert ist. Inzwischen sogar auf Englisch.

Ich also in die rote Linie 1 und fahre bis zum Leninski-Prospekt durch. Dort gehe ich an die Oberfläche, besorg mir ein kleines Bikerfrühstück bei zwei netten Mädels am Stand und verputze es auf einer Parkbank.
Der Leninski-Prospekt, nicht ganz so prunkvoll wie der Nevski-Prospekt
Die weiße Parkbank, am rechten Bildrand beim Trampelpfad, das war meine Bank :)

Frisch gestärkt gehts nun los, und es geht Schlag auf Schlag. Eine schöne Metrostation jagt die nächste. Alle schön oldschool, alle marmorvertäfelt und sehr viele mit etlichen Kronleuchtern.

Highlight Nummerovski 1: Awtowo
Ich und die Metrostation Awtowo

Highlight Nummerovski 2: Kirowski Sawod
Kirowski Sawod
Kirowski Sawod


Highlight Nummerovski 3: Narwskaja
Narwskaja
Quizzfrage:Wann wurde die Rote Linie 1 gebaut?

Narwskaja
Narwskaja
Narwskaja
Ich in der St.Petersburger Metro - Linie 1



 Highlight Nummerovski 4: Baltijskaja 
Baltijskaja

In allen Stationen gibt es solche Anzeigen, oben die Uhrzeit und unten die Zeit die vergangen ist, seit dem die letzte Bahn abgefahren ist.

Highlight Nummerovski 6: Puschkinskaja
Puschkinskaja



Puschkinskaja
An der Oberfläche
Nach der langen Zeit in der dusteren Metro, freut sich das Auge wieder über Sonnenlicht.
Nevski Prospekt (wo sonst...)













Sonntag, 14. August 2011

4. Tag - St. Petersburg

Die meisten meiner heutigen Ziele könnte ich ohne probleme zu Fuss erreichen. Mache ich natürlich nicht, ich hab' ja ein Motorrad.

Traditionell werde ich von den Russen mit den hiesigen kulinarischen Genüssen empfangen
Volkskönig, seit einem Jahr auch in St. Petersburg



Wie bei allen Sehenswürdigkeiten, gab es auch hier Massen an Hochzeitsgesellschaften. In St.Petersburg ist es zur Zeit scheinbar sehr im Trend, das das Brautpaar mit eine Strechlimo herumkutschiert wird.

Das ergibt lustige Szenen, wenn z.B vor der Blutskirche ein Strech-Hummer und ein Stretch-Porsche sich während des Rangieren beim Parken, sich gegenseitig in den Dead-Lock schicken

Blutskirche

Blutkirche, Peter-Paul Festung von hinten, natürlich die Eremitage, Isaakskathedrale oder auch das Alexander Nevski Kloster. Sehr cool war auch das Kriegsschiff Aurora und das Atelleriemuseum.

Isaakskathedrale

Samstag, 13. August 2011

3. Tag - Ritt nach St. Petersburg (B)

Von Finnland und besonders von Helsinki habe ich leider nicht so viel gesehen, mein Ziel für heute war ganz klar St. Petersburg. Der Zoll war eigentlich ganz ok, es gab keine Autoschlangen, dafür dutzende von Menschen die vor den jeweiligen Grenzhäuschen standen und warteten, denn die Grenzer sind definitiv keine Geschwindigkeitsfanatiker.

Am finnisch/russischem Zoll, direkt vor mir zwei Griechen die auch auf die russische Abfertigung warten
Also anstehen und warten, drankommen, Passport in den Schlitz stecken, fragende Augen machen, warten dass der Passport inclusive doppeltem Formular (Migrationskarte) wieder rauskommt. Migrationskarte ausfüllen und wieder anstehen, anstehen, anstehen. Dann Karten abgeben, darauf folgt ein Stempelstatako und eins der beiden Migrationskarten kommt zurück. Auf diese soll ich wie auf meine Augäpfel achtgeben, wird gemacht!
Dann weiter zum nächsten Grenzhäuschen, anstellen. warten, warten, warten. Passport in Schlitz und fragende Augen machen. Passport kommt zurück und doppelte Ausführung der Zollerklärung kommt hinterher. Ich fülle die Zollerklärung aus, soweit ich es verstanden habe (Ich habe jetzt mein Motorrad vorrübergehend importiert). Anstehen, warten, warten, warten und abgeben. Kurzer Kontrollblick der jungen, hübschen Zöllnerin und schon kommt der Antrag wieder retour. Ich habe mich leider in den Zeilen bei der Adresse vertan. Sie deutet mir klar und schnell, wo was hinkommt und schon habe ich zwei neue Zollerklärungen in der Hand. Also nochmals ausfüllen, anstehen, warten, warten, warten und schon ist alles prima (plus Stempelstakato).
Trotz meiner Dusseligkeit hat das keine zwei Stunden gedauert. Wenn man es weiß und alle Papier gleich abholt und zusammen ausfüllt, dürfte das in 30min zu machen sein.
Eine andere nette russische Zöllnerin holt kurz einen ebenfalls sehr netten Finnen dessen Auto vor mir steht, damit dieser ein bisschen auf die Seites fährt. So kann ich los, auf nach Russland!


Der erste Eindruck von den berüchtigten russischen Strassen ist gar nicht einmal so übel. Ganz selten mal gibt es ein paar Meter wirklich furchtbaren Asphalt, aber kein Vergleich was ich schon in der Ukraine erlebt habe.
Die Russen sind eher sportive Fahrer. Es gibt die gemütlichen alten Russenkisten aber auch riesen SUVs. Und hier in Russland werden die auch entsprechend eingesetzt. Da bleibt kein PS ungenutzt und keine Federung wird geschont. Und wo (vermeindlich) Platz zum Überholen ist, da wird auch überholt. Links, Rechts ganz egal und das mit Karracho, auch wenn ich 10m hinter einer ellenlangen Autoschlange herfahre. Die 10m werden vom SUV-Fahrer genutzt. Garantiert!
100km vor St. Petersburg wurde der Himmel leider komplett bedeckt und es hat etwas angefangen zu Regnen. Das war eher schlecht für schöne Fotos als für meinen Fahrkomfort. Zum Ausgleich bin ich gleich *den* Prachboulevard 'Nevski Prospekt' hoch und runtergefahren. Denn in der Nähe ist gleich mein Hotel, das ich , für 3 Nächte, schweinegünstig bei E-Bay ersteigert habe. So habe ich 2 komplette Tage um mir Piter anzusehen. Falls es weiter regnen sollte, werde ich mir die STP Metro anschauen. :)

2 Stunden am Zoll vertrödelt, 2 Stunden durch die russische Zeitzone verloren und als Bonus noch eine Stunde verratzt durch eine heftige Umleitung im St.Petersburger Vorstadtgebiet, dies brauchte mich auf so abseitige Strässchen,dass sogar mein Navi kapituliert hat,.war aber trotzdem klasse, denn immer in solchen Situationen komme ich in sehr interssante Gegenden. Heute war eben 'the real russian live' im Angebot.



2. Tag - Fähre nach Helsinki (A)

Ok, war doch nichts mit dem unverhofften Einzelzimmer. Um 3:30 kam doch noch ein jüngerer Russe in meine Kabine, der auf dem Heimweg von Köln nach St.Petersburg auch die Fähre genommen hat. Er sagt, er wäre Businessman. Gibts ja inzwschen viele.
So sieht eine Kabine in Wirklichkeit aus, anstelle der Lampe habe ich mir das Bullauge imaginiert.



Der heutige Tag war reinster Urlaub. Eine Aneinanderreihung von lecker Essen an einem riesen Buffet, rumhängen am Sonnendeck und rausstarren auf die endlose See, chillen in der kleinen Bibliothek mit klasse Panoramafenstern. Dort habe ich auch zum ersten Mal mein Ukraine-Reiseführer gelesen, den ich mir für den letztjährigen Ukraine-Trip besorgt (und damals schon mitgeschleppt) habe.
Und als krönenden Abschluss habe ich noch 3 Euro für 12 Minutem in den vollautomatischen Massagesessel investiert. So etwas brauche ich jetzt auch unbedingt für mein Büro.